Südamerika blickt aufs Tierwohl

Sales Managerin Diana Pestka traf in Südamerika auf Altbekanntes – und viele spannende neue Entwicklungen.

Auf meiner Reise in meine ehemalige Wahlheimat Südamerika kam ich zuerst nach Chile. Das Land wird oft als eines der fortschrittlichsten in Südamerika bezeichnet. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass hier die Fragen von Tierwohl und Tierernährung ebenso wie natürliche und nachhaltige Lebensmittelerzeugung inzwischen ähnlich diskutiert werden wie in Europa. Das Bewusstsein dafür, welche Folgen Antibiotika im Tierfutter nach sich ziehen und welche Auswirkungen diese auf uns Menschen haben kann, erreicht immer breitere Bevölkerungsschichten. Und schon heute legen die, die es sich leisten können, Wert auf gesunde Ernährung.

Auch in Peru sind Alternativen für antibiotische Leistungsförderer (AGP) derzeit ein großes Thema. Vorreiter sind hier die Supermarktketten, die von den Geflügelzüchtern antibiotikafreie Tiere verlangen. Die Gesetzgebung zieht nach und hat kürzlich die Regularien für AGP geändert. Zwar können alte Registrierungen immer noch erneuert werden, doch es werden künftig keine neuen mehr zur Registrierung zugelassen, Interessanterweise werden bislang weniger als 20 Prozent der peruanischen Masthähnchen geschlachtet vermarktet, der größte Teil wird noch immer lebend auf den heimischen Märkten verkauft.

In Ecuador sind noch immer mit den Spuren der Misswirtschaft durch die Mitte 2017 abgesetzte Regierung von Ex-Präsident Rafael Correa zu sehen. Industrie und Erzeuger kämpfen vor allem mit korrupten Strukturen und niedrigen Preisen und suchen nach alternativen Märkten für den Export ihres Fleisches. Beeindruckend und ermutigend ist dagegen der Aufschwung der Shrimpindustrie an der Küste Ecuadors. Aus den alteingesessenen mittelständischen Futterherstellern sind große Firmen herangewachsen, die inzwischen zum größten Teil von internationalen Unternehmen aufgekauft wurden. Waren die heimischen Anbieter in Ecuador bislang nicht in der Lage, genügend Shrimpfutter herzustellen, so soll sich das dank hoher Investitionen in den Ausbau mehrerer Produktionsanlagen in den nächsten Jahren ändern. Schon heute haben Shrimpexporte in der Exportstatik Ecuadors einen wichtigen Stellenwert erreicht und gerechnet in US-Dollar sogar bereits die Bananenexporte übertrumpft.

Südamerika steht derzeit an einem spannenden Punkt. Zwischen aufstrebenden heimischen Unternehmen und investierenden internationalen Großkonzernen erstreckt sich eine Fülle an Möglichkeiten, die die dortige Futtermittelbranche spürbar antreibt und motiviert. Wir dürfen gespannt sein, wie die Entwicklung in den nächsten Jahren weitergehen wird.